Review: Generisches Pop-Kunsthandwerk: Miley – BASS PERSUADES

Der Nachname ist weg, die Ambitionen sind geblieben. Das Problem des Pop-Superstar bleibt nach wie vor die Umsetzung.
Nicht einmal eineinhalb Jahre ist es her, dass Miley Cyrus auf SOMETHING BEAUTIFUL an den eigenen Ansprüchen zerschellte. Es mag daran liegen, dass BASS PERSUADES mit lediglich 38 Minuten deutlich knapper angelegt ist – und die Amerikanerin auf diesem, ihrem zehnten Studioalbum nur noch unter ihrem Vornamen agiert. Geblieben ist indes eine gewisse Unwucht. Am stärksten ist die Platte dann, wenn Miley die Fühler gezielt in den Underground ausstreckt. Der Titeltrack ist da zu nennen, unmissverständlich drücken die Bässe Richtung Tanzfläche. Spannend wird es auch bei den Kollaborationen. Auf „Different Religion“ trifft ihre ja durchaus markante Stimmfarbe auf die eiskalten No-Wave-Beats der New Yorker Industrial-Band Model/Actriz. „Neon Signs“ mit Andrew Wyatt von Miike Snow überzeugt als Elektropop, der Gainsbourg-Erotik und ein paar hübsche Textideen mit einem interessant schaurigen Grundgefühl kreuzt. Sobald die prominenten Gäste die Bühne verlassen, fällt das Album aber in generisches Pop-Kunsthandwerk zurück. Der im Titel versprochene Bass wird verlässlich genau dann an die Leine genommen, wenn er anfängt, richtig zu ballern. Vor allem in der Mitte hängt das Album durch. Dann verpufft die mühsam aufgebaute Energie mal in müdem 80ies-Nostalgie-Pop, mal in austauschbaren Dance-Tracks. Schade.
Jochen Overbeck schreibt für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.
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